Ein Impuls für den Tag: Ein biblischer Vers, ein Gebet, ein Gedicht oder Gedanken, die uns helfen, gestärkt und gut durch diese besondere Zeit zu kommen.

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Kirche von innen - wage Dich hinein!

Am letzten Sonntag durften wir als Gemeinde unter veränderten Bedingungen wieder Gottesdienst feiern. Dabei fiel mir eine Geschichte ein:

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„Die Liebe kommt wieder, die gelben Blumen kommen wieder, die Bienen, leider auch die Zecken. Der Tag kommt wieder, der Mond kommt wieder, der Eismann mit seiner Glocke und der Duft der Linden. Freundschaft kommt wieder (wenn man denn will), Gelegenheiten kommen wieder, sie tragen ein neues Gewand. Engel kommen wieder und Botschaften an Laternen. Wunder kommen wieder und Wünsche (erfüllte und unerfüllte), das Erwachen am Morgen kommt wieder, die Zeit der Schnecken und selbst Beethoven kommt wieder im Radio. Das Lachen kommt wieder, der Moment des Vergessens, die Stille kommt wieder und der heisere Ruf der Kanadagänse. Alles kommt wieder in dieser klitzekleinen Welt. Was wird erst jenseits kommen?“ …So fragt Susanne Niemeyer in ihrem Buch „100 Experimente mit Gott“.

Wir sind noch mitten in der Osterzeit – diese Zeit der Freude begleitet uns bis zum Pfingstfest. Wir können sie also noch ein wenig genießen, und sie trägt hoffentlich mit dazu bei, den gesellschaftlichen Ausnahmezustand etwas besser auszuhalten. Susanne Niemeyer hat ihre Sammlung von wiederkehrenden Ereignissen „Auferstehung“ genannt Um dann mit der Frage zu schließen: „Was wird erst jenseits kommen?“ Manchmal glaube ich, Entsprechungen zu entdecken: Das Aufwachen am Morgen eine kleine Auferstehung; eine schöne Musik kleiner Ausschnitt von himmlischen Klängen; ein sonniger Tag kleine Spiegelung göttlichen Lichts. Osterzeit: Zeit, die uns einlädt, nach österlichen Spuren zu suchen, Spuren, die vom Leben, von der Freude, von der Leichtigkeit erzählen. Und darin zugleich in die Tiefe führen: Leben hat Zukunft, sogar über dieses Leben hinaus. Gott sei Dank!

Pfarrerin Monika Ruge

Der Liedermacher Clemens Bittlinger erzählt hier von einer schottischen Legende: Jesus trifft seine Jüngerinnen und Jünger im Himmel wieder und sie feiern dort zusammen ein Fest. Plötzlich halten sie inne, denn sie bemerken, dass Jemand um das Haus streicht.

Dieser Jemand, der um das Haus streicht, ist der Jünger, der bei diesem Fest fehlt. Es ist Judas, der Jesus für eine Handvoll Münzen und mit einem Kuss verraten hat.

Judas war aber viel mehr - er war der Jünger, dem Jesus am Meisten vertraut hat. Bevor Judas ein Jünger Jesu wurde, war er als Dieb bekannt. Jesus hat ihm die Kasse der kleinen Gemeinschaft anvertraut und ihn zum Schatzmeister gemacht. Riskant, denn Judas hätte auch wieder in seine alten Muster verfallen können und so das Fortbestehen der Gemeinschaft gefährden können. Doch Jesus vertraut ihm und geht dieses Risiko ein.

Der Kreis der Jünger verkörpert alle Eigenschaften, die Jeder und Jede von uns in sich trägt. Eigenschaften nach denen Jesus seine Jünger ausgewählt hat. Wir alle besitzen eine schwärmende Seite. Dafür stehen Johannes und Maria Magdalena. Sie strahlen diese Begeisterung für Jesus aus.

Wir tragen auch eine Seite in uns, mit der wir uns auch schon einmal “zu weit aus dem Fenster lehnen” und Dinge behaupten, die wir nicht einhalten können oder wollen. Dafür steht Petrus.

Jeder, der glaubt, kennt auch Zweifel. Wie wichtig ist wohl der Jünger Thomas? Zweifeln ist wichtig, denn Niemand kann im Glauben wachsen, der nicht zweifelt oder hinterfragt.

Natürlich trägt auch Jeder und Jede von uns die Eigenschaften des Judas, dem Verräter, in sich. Es tut einfach weh, wenn man verraten wird. Wenn uns Menschen, denen wir vertrauen, in den Rücken fallen.

Aber auch, wenn wir Dinge weitersagen, die wir besser für uns behalten sollten, dann ist das Verrat. Selbst, wenn wir nur ein Geheimnis, das man uns anvertraut hat, weitererzählen.

Gnade für Judas! - Wenn ich möchte, dass Andere auch mit mir gnädig umgehen.

“Come and go with me to my father’s house!” - Die herzliche Einladung Jesu an Judas, denn auch er gehört für Jesus in den Kreis der Jüngerinnen und Jünger

Presbyterin Melanie Meyer

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In der kirchlichen Tradition gibt es zu Ostern das sogenannte Osterlachen, das seine Wurzeln im Spätmittelalter hat. In seinem Ursprung ist damit das Verlachen des Todes gemeint, der mit der Auferstehung Jesu seine Macht verloren hat. Er ist buchstäblich lächerlich geworden.

Die Lieder, die wir in der Osterzeit singen, erzählen auf ihre Weise von der wieder erwachten Lebensfreude. So heißt es beispielsweise im Lied 112 in unserem Gesangbuch: „Auf, auf, mein Herz mit Freuden nimm wahr, was heut geschieht“ und weiter in der 5. Strophe: „Die Welt ist mir ein Lachen“. Oder schauen wir auf den Anfang von Lied 100: „Wir wollen alle fröhlich sein in dieser österlichen Zeit“.

Schon der Volksmund weiß: „Lachen ist gesund.“ Lachen ist Ausdruck von Freude, Lachen ist Erleichterung und Leichtigkeit. Lachen hat den Lebensmut auf seiner Seite.

Diejenigen, die Ostern in der Christuskirche gefeiert haben, wissen, dass es am Ende des Gottesdienstes immer zwei, drei witzige Geschichten bzw. Fragen gab. Da es in diesem Jahr leider so nicht möglich war, möchte ich es hier gern nachholen.

„Sagen Sie, kennen Sie eigentlich Beethovens Zehnte?“ – „Nein, ich wusste gar nicht, dass er so oft verheiratet war.“

Goerge W. Bush, Barack Obama und Donald Trump sind gestorben und stehen vor Gott. Gott fragt Bush: „Woran glaubst du?“ Bush sagt: „Ich glaube an den freien Handel, an ein starkes Amerika und an die Nation.“ Gott sagt: „Schön. Komm, komm zu meiner Rechten.“ Dann fragt er Obama: „An was glaubst du?“ Obama sagt: „Ich glaube an die Demokratie, an die Hilfe für die Armen und an den Weltfrieden.“ Gott sagt: „Wunderbar, du sitzt zu meiner Linken.“ Dann fragt er Trump: „Was glaubst du?“ Trump sagt: „Ich glaube, du sitzt auf meinem Stuhl.“ (wurde mir von einem meiner Konfis zugeschickt J).

Wie nennt man einen Lüneburger, der aus der Kirche ausgetreten ist? Lüneburger Heide.

Lachen ist eine Vorwegnahme der Erlösung, ein freudiges Aufatmen im Augenblick. Dieses Lachen und diese Freude dürfen und sollen anstecken, einmal mehr in dieser virulenten Zeit.

Pfarrerin Monika Ruge

Das englische Kirchenlied, das ich heute mit euch teilen möchte, hat mit Angst, Sorge und am Ende unserem Sterben zu tun. Es ist die flehentliche Bitte an Gott, in schweren Stunden an meiner Seite zu bleiben,
Abide with me - harre aus mit mir.

Presbyterin Kerstin Cass

"Abide with me" - "Harre aus mit mir". Das rufen nicht nur Menschen in unserer "Stay Home'" Gemeinde. "Harre aus mit mir", rufen Menschen zu Gott, die auf Schlauchboten im Mittelmeer sitzen und langsam untergehen. Sie warten sehnsüchtig auf ihr "Home Coming", dass sie ein sicheres Zuhause finden. Der Bericht über die dramatische Osteraktion im Mittelmeer bei United4Rescue:

Bericht auf der Facebook Seite von United4Rescue

Update:

In der Passauer Neuen Presse am 11.04.20 nennt Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) die Situation in dem griechischem Flüchtlingscamp Moria "eine Schande für Europa". Es würden dort unmenschlichere Zustände herrschen als in afrikanischen Flüchtlingslagern. Er fordert die EU auf, sofort die Zustände dort zu beenden und nicht zu warten bis es durch Corona zur Katastrophe komme.

Gerd Müller in der Passauer Neuen Presse

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Seit mehr als drei Wochen hocken wir nun ständig aufeinander. Es geht uns richtig auf die Nerven. Wir sind gereizt und gehen bei jeder Kleinigkeit durch die Decke. Das nervt und das endlose Streiten ist so sinnlos. Zumindest streiten wir noch und setzen uns mit unserem Gegenüber auseinander. Das ist nicht das Gleiche, als wären wir uns völlig egal!

Heute an Karfreitag sehen wir, was passiert, wenn einem sein Gegenüber völlig egal ist. Pontius Pilatus ist es vollkommen egal, wer stirbt und wer nicht. Er fällt das Todesurteil über Jesus und bringt ihn ans Kreuz. Anschließend wäscht er sich mit einem Schulternzucken seine Hände in Unschuld. Das passiert, wenn einem Menschen, sein Gegenüber völlig egal ist - das endet in absoluter Finsternis.

Pilatus muss wohl sehr diszipliniert sein und Emotionen haben in seinem Denken und Handeln keinen Platz. Mitleid darf er auch nicht haben, denn es zählt nur eins, die Macht der Römer zu erhalten oder sogar zu vergrößern.

Ich habe die Situation der Urteilsverkündung gegenùber Jesus vor Augen. Er hat niemanden umgebracht oder eine Straftat begangen, die den Austausch mit einem verurteilten Mörder rechtfertigt. Pilatus hat schon oft in solchen Situationen ein Urteil gesprochen, wenn die Menge fordert:”Lass ihn kreuzigen! Lass ihn kreuzigen!” Für ihn eine alltägliche Situation.

Doch an diesem Tag, als Jesus vor ihm steht, ist es anders. Pilatus sieht den Gefangenen an und zweifelt an seiner Schuld. Durch die Begegnung mit Jesus wird ihm bewusst, dass er wirklich Gottes Sohn ist. Er will aber vor der tobenden Menge nicht sein Gesicht verlieren und fällt das Todesurteil über Jesus. Das “Waschen seiner Hände in Unschuld” zeigt mir nur: Jesus hat es geschafft, diesen sonst so skrupellosen Mann in seinem Innersten zu berühren. Er kann nicht zum weiteren Tagesgeschehen übergehen, sondern muss sein Gewissen erleichtern.

Ich kann nicht sagen, dass Pilatus dadurch Sympathiepunkte bei mir erhält und doch wird mir durch sein Handeln bewusst, dass ich oft, auch in meinem Leben, wie Pontius Pilatus und dafür verantwortlich bin, dass Jesus Christus jeden Tag auch durch mich und mein Handeln gekreuzigt wird.

Ob in Streitsituationen oder in Situationen im Alltag. Immer dann, wenn ein “Ja, aber...” über meine Lippen kommt und ich mich so für mein Handeln rechtfertige, mache ich nichts Anderes, als Pilatus, der seine Hände in Unschuld wäscht und damit das Todesurteil über Jesus rechtfertigt. Also kreuzige ich Jesus Christus jeden Tag erneut.

Dieser Gedanke gefällt mir absolut nicht. Es wäre leichtfertig für mich zu sagen. Es ist alles gut, denn Jesus ist schließlich auch für mich und meine Sünden gestorben. Alles gut, denn er kennt mich und weiß doch, wie ich bin. Ich glaube aber, dass das was Jesus am Kreuz auf sich genommen hat, nicht als kostenloses Geschenk für uns alle angesehen werden darf und dies auch keinen “Freibrief” zum unendlichen Begehen von Sünden darstellt. Wir können es als ein Geschenk, als das wunderbarste Geschenk überhaupt ansehen. Alle unsere Sorgen, Nöte und Ängste und auch Sünden trägt Jesus für jeden Einzelnen von uns am Kreuz.

Mir ist bewusst, dass ich nicht frei von Sünden bin und ich werde immer wieder sündigen, aber ich möchte Gott bitten, dass er mir hilft, dass ich bewusster lebe und mir über mein Handeln bewusst bin und nicht ständig Jesus mit meinem Verhalten aufs Neue kreuzige und ihn leiden lasse.

Presbyterin Melanie Meyer

mr Gründonnerstag Gemeindebrief. Magazin für Öffentlichkeitsarbeit

 Das letzte Ma(h)l

Im Kelch ist das Ganze schon da:
was dann kommt in der Nacht,
ist im Wein und im Brot
schon eingeborgen.

Dass sie kommen mit Fackeln,
- der Kuss ein Verrat -
ihn holen und hören,
verhöhnen und lästern.

Das ist im Brot und im Wein
so nah
schon alles da.

Ein letztes Mahl
mit den Seinen
zu seinem Gedächtnis,
der Verleugner dazwischen.

Ein letztes Mal
ermutigen, stärken,
beten und zagen,
verzweiflungs-bereit.

Das ist im Brot und im Wein
so nah
schon alles da.

Geschehen für uns,
so oft verstrickt und verfehlt,
doch Rückkehr ist möglich,
der Tisch ist gedeckt.

Sogar, dass das Grab aufbricht,
ist alles schon hier,
vollzieht sich im Feiern
in mir

und wird im Brot und im Wein
so nah
für immer sein.

Pfarrerin Monika Ruge

Foto aus „Gemeindebrief. Magazin für Öffentlichkeitsarbeit“

Heute möchten wir Sie und Euch mit einem Film für die ganze Familie nach Taizé entführen!

Dieses Video zeigt, warum Taizé für uns der schönste Ort der Welt ist. Eine Woche fernab vom Alltag, hat man die Möglichkeit über sein eigenes Leben nachzudenken und Zeit mit Gott zu verbringen. Für uns ist es immer wieder ein “Auftanken” bei und mit Gott, um danach im Alltag wieder die Gewissheit zu haben, dass Gott in jeder Lebenslage an unserer Seite ist.

Das Taizégebet, einmal im Monat in der Markuskirche, ist für Elisabeth Ney und mich ein Stück Taizé mitten in Grevenbroich. Auch hier können wir “auftanken” und an unserer Verbindung zu Gott im Alltag festhalten.
Leider ist es aufgrund der aktuellen Situation nicht möglich, das Taizégebet in der gewohnten Weise anzubieten. Sobald es wieder möglich ist, werden wir auch wieder zum Taizégebet einladen.

Bis dahin bleibt uns nur, Ihnen und Euch eine besinnliche Karwoche und ein gesegnetes Osterfest zu wünschen. Bleiben Sie alle gesund und fühlen Sie sich auch in dieser schwierigen Zeit stets von Gott behütet.

Elisabeth Ney und Melanie Meyer

Wir haben für den Sonntag zwei Impulse - das hatten wir bisher noch nicht. Das erste von Kerstin Cass, darüber werden sich alle bilingualen Menschen freuen. Von Monika Ruge ein Impuls zu Palmsonntag

 

Great is thy Faithfullness

Heute möchte ich gerne mein liebstes englisches Kirchenlied „Great is thy Faithfulness“ mit euch teilen. Es geht um unser Vertrauen auf Gottes Fürsorge. Ich habe dieses YouTube Video in den letzten 10 Jahren unzählige Male angeschaut und besonders der alte Herr am Ende treibt mir immer noch Tränen in die Augen. Ich liebe die Begeisterung und Überzeugung mit der die Menschen singen. Es erfüllt jedes Mal wieder mein Herz mit Freude und Zuversicht.


(Reklame am Anfang einfach überspringen)

Presbyterin Kerstin Cass

 

Angekommen?

„Eine sehr große Menge breitete ihre Kleider auf den Weg; andere hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg.“ (Mt 21,8)

Dieser Vers aus dem Matthäusevangelium ist Teil der Lesung vom Palmsonntag. Vom Kirchenjahr her betrachtet ist dieser Sonntag die Schwelle in die Karwoche.

Auch wenn der Einzug Jesu in Jerusalem historisch betrachtet so nicht stattgefunden hat, finden wir hier den Weg Jesu und seine Bedeutung sehr verdichtet beschrieben. Jesus zieht auf einem Eselsjungen ein: schon im Außen ist das alles andere als ein herrschaftlich-imponierender Auftritt. Ein seltsamer König kommt da geritten. Der Esel ist ein Lasttier, den Menschen zu Diensten. Und wenn es ein junger Esel ist, auf dem noch niemand geritten ist, dann heißt das: Was jetzt kommt, ist einmalig.

Sie feiern den Einzug eines Königs, die Palmzweige in ihren Händen symbolisieren den Sieg. Sie hoffen, dass Jesus nun den langersehnten Machtwechsel herbeiführen wird. Aber am Ende seines Weges wird mit der Entmachtung des Todes ein ganz anderer Sieg stehen. Doch das ahnen die Jubelnden zu diesem Zeitpunkt nicht. Das Wunschbild der Menge und die Wirklichkeit Jesu – es könnte kaum weiter voneinander entfernt sein.

Jesu Einzug in Jerusalem ist der Anfang vom Ende. Die Menge, die ihn jetzt noch jubelnd willkommen heißt, wird nur wenige Tage später seinen Tod wollen.

Ein König auf einem Esel. Nicht hoch zu Ross, sondern auf Augenhöhe. Und jetzt sind wir es, denen er begegnen will. „Jetzt“ heißt: inmitten einer Welt voll großer Unruhe, inmitten einer Zeit, in der wir uns gerade von Tag zu Tag vortasten, inmitten von allem, was uns gerade selber besorgt oder ängstigt. Wenn wir in diese neue Woche hineingehen, dann wissen wir schon, dass sein Ende ein neuer Anfang werden wird. Gehen wir ihm entgegen, heißen wir ihn willkommen. Denn „siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.“ (Sach 9,9b) Jesus kennt den Weg, lassen wir ihn ankommen.

Pfarrerin Monika Ruge

 

 

Auf der anderen Seite des Globus in Südafrika wird Ostern zum selben Termin gefeiert wie in Europa: Aber im März/April ist auf der Südhalbkugel Herbst: Ostern auf dem Kopf - ein ganz anderes Gefühl. Im Norden sind wir nach dem Winter froh, endlich wieder vor die Tür zu können, dass es warm wird und es wieder frisches Gemüse und Obst gibt. Ostern ist für uns der Ausdruck, dass nach der Winterstarre das Leben wieder beginnt.
Ostern im Herbst, da ist die Ernte, selbst die Weinlese abgeschlossen. Keine Krokusse, keine Narzissen, dafür die Fülle an Mangos, Bananen, Papayas, Avocados, Passionsfrüchten. Zum Frühstück muss man sich entscheiden, was man als erstes essen will. Es beginnt die Trockenzeit: Der Himmel strahlend blau, nicht ein Wölkchen ist mehr zu sehen.

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Für die Gemeinde sind Karfreitag und Ostern die wichtigsten Feiertage im Jahr. Es wird gefastet und Karfreitag kommen alle in Schwarz in den Gottesdienst – bis auf die Jugendlichen, die ihre Jeans verteidigt haben. Am Samstag übernehmen die Jugendlichen die Night Watch, in dem Jahr haben sie die ganze Nacht gesungen und waren am Ostermorgen ein wenig heiser. Die Jugend ist verantwortlich, dass um fünf Uhr das Osterfeuer angezündet ist, denn um 5:30 Uhr beginnt der Gottesdienst rings um das Osterfeuer. In Johannesburg geht um sechs die Sonne auf, damit sich das Osterfeuer lohnt, müssen alle noch in der Nacht aufstehen. 

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Am Feuer werden die Osterkerzen angezündet und mit Gesang und Kerzen ziehen wir in die Kirche ein. Es ist eine Feier – eine Party.

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Viel muss nicht gepredigt werden, es ist klar, wir feiern, dass Gott Jesus aus dem Tod gerettet hat, den Sieg Gottes über den Tod, den Sieg Gottes über die Gewalttaten der Menschen. Fast jeder Absatz endet: „Jesus Christus ist von den Toten auferstanden!“ – „Ja, er ist wirklich von den Toten auferstanden!“

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Die methodistische Nachbargemeinde macht keinen eigenen Frühgottesdienst, sie laden zu dem lutherischen ein. Auch weil es nachher ein riesiges Frühstück gibt. Die Methodisten sagen, es sei das beste Osterfrühstück in Midrand, also sind sie auch mit dabei.

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Während des Frühstücks führt der Kindergottesdienst noch etwas auf, aber es geht mehr um den Spaß, den alle zusammen haben wollen. Wenn ich um halb zwölf vom Gottesdienst in der Partnergemeinde zurückkam, war die Osterfeier noch lange nicht zu Ende. An das Frühstück schließt sich nahtlos das Grillen an – und es werden auch die Weinflaschen und der Whisky aus den Autos geholt. Davon habe ich keine Fotos gemacht. Es hat einige sehr irritiert und sogar Gemeindemitgliedschaften gekostet, dass in der Kirche Alkohol getrunken wird. Auch der Hinweis auf Jesu Unterstützung für die Hochzeitfeier in Kana konnte da nicht helfen. Um drei, halb vier ist dann alles aufgegessen und ausgetrunken, aufgeräumt zumindest einigermaßen und man hat das gute Gefühl: Die Auferweckung Jesu ist gleichermaßen würdevoll und ausgelassen gefeiert worden, einen ganzen Tag lang.

Michael Diezun

BIlder: Midrand Lutheran Church, Easter 2016, © Michael Diezun

Bild Kerstin Cass

 

Frühling heißt Aufbruch

Nein, die Wahrheit ist
Dass dieser Frühling nur beunruhigend und verunsichernd ist
Ich glaube nicht
Dass ich in diesen Wochen zur Ruhe kommen kann
Dass ich den Weg nach Innen finde
Dass ich mich ausrichten kann auf das, was kommt
Es ist doch so
Dass das Virus rast
Ich weigere mich zu glauben
Dass etwas Größeres in meine Welt hineinscheint
Es ist doch ganz klar
Dass Vertrauen fehlt
Ich kann unmöglich glauben
Nichts wird sich verändern
Es wäre gelogen, würde ich sagen
Miteinander schaffen wir das.

Und nun lest den Text von unten nach oben!

Karoline Hock

 

Gedicht von Karoline Hock: © Andere Zeiten, https://www.anderezeiten.de/aktuell/
Bild: © Kerstin Cass

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„Wer zurückschaut, kann nicht gleichzeitig nach vorne sehen“.

Dieser Satz fällt ein, wenn ich die vielen Eindrücke und Bilder der letzten 14 Tage auf mich wirken lasse.

Da gibt es so viel, was auf einmal nicht mehr geht: keine gemeinsamen Treffen, keine öffentlichen Veranstaltungen, kein Shopping oder für uns als Gemeinde keine Gottesdienste feiern können.

Das sind Einschnitte, die uns alle treffen. Doch die Frage ist jetzt: wie gehen wir eigentlich damit um?

Aus dieser zurückliegenden Woche habe ich noch eine Begegnung vor Augen mit einem Mann, der sehr niedergeschlagen wirkte. Auf meine Frage hin, wie es ihm ginge, sagte er traurig: „Mir fehlen meine Kumpels, mit denen ich mich sonst immer treffe.“ Und es war sehr deutlich, dass er sie wirklich vermisste. Ich versuchte, ihm Mut zu machen: „Aber telefonieren geht doch noch. Oder treffen Sie sich doch einfach mal mit einem aus der Runde. Draußen geht das doch und erst recht bei diesem schönen Wetter.“ Doch er schüttelte nur den Kopf. Beides waren für ihn offensichtlich keine Lösungen.

„Wer zurückschaut, kann nicht gleichzeitig nach vorne sehen.“ Wenn wir ständig darauf schauen, was im Moment alles nicht geht und immer vergleichen: vorher – jetzt dann haben wir uns selber die Eintrittskarte ausgestellt für traurige Tage.

„Wer zurückschaut, kann nicht gleichzeitig nach vorne sehen“, das kriegen wir anatomisch schon nicht hin. Und es hilft auch nicht. Niemandem. Richten wir den Blick darauf, was alles (noch) geht:

wir können weiterhin im Kontakt sein mit vielen Menschen und entdecken gerade auch neue Wege der Kontaktaufnahme. Da werden Whattsapp-Gruppen ins Leben gerufen, um sich gegenseitig Mut zu machen mit Liedern, lustigen Clips und anregenden Gedanken. Wir können uns weiterhin mit Lebensmitteln versorgen und dabei auch noch für andere sorgen, die das aus Altersgründen jetzt lieber nicht selber tun sollten. Wir haben einen sicheren Platz in unseren Wohnungen und Häusern und vielleicht endlich mal Zeit, das ein oder andere zu richten oder zu renovieren, was so oft liegenbleiben musste. Alte und neue Spielideen machen die Runde, so dass zuhause bleiben für Eltern und Kinder nicht nur anstrengend sein muss.

Das sind nur einige wenige Beispiele, was möglich ist, wenn wir uns im „Jetzt“ bewegen und nicht ständig traurig auf das schauen, was gerade nicht geht.

In der Bibel gibt es einen schönen Satz dazu: „Wer die Hand an den Pflug legt und dabei zurückschaut, der eignet sich nicht für das Reich Gottes.“ (Lk 9,62) Gottes Reich liegt immer vor uns, öffnen wir die Augen für das, was geht, für alle Unterstützung, die wir auch jetzt bekommen und bleiben wir in dieser Vorwärtsbewegung. Wer weiß, vielleicht will Gottes Reich auch durch uns kommen und andere be-reichern.

Bleiben Sie behütet und bleiben Sie zuversichtlich.

Mit herzlichem Gruß Ihre Pfarrerin Monika Ruge

Bild: © Annette Gurdon

Bild Nina Krüger

Schöpfer des Lichts,
Sonne unseres Lebens,
wir danken dir für diesen neuen Tag.
Hilf uns, deinen Willen zu erkennen und zu tun.

Gib uns Kraft für die Aufgaben, die uns gestellt sind.

Gib uns Mut für die Schritte, die wir tun müssen.

Gib uns Liebe zu den Menschen, die uns begegnen.

Lass uns erfahren,
dass du uns nahe bist in allem, was heute geschieht.

Amen

Presbyterin Nina Krüger

Unruhig die Herzen

Manchmal geht die Sonne nicht so unter,
dass Ruhe und Frieden einkehren
am Ende des Tages.

Drei Tage lang hatte es gestürmt.
Der Indische Ozean hat vergessen
wie ein Bild von tropischer Idylle aussieht.
Die See unruhig:
Eine lange Dünung donnert auf den Strand.
Der starke Wind bürstet das Meer
zu einem geriffelten Waschbrett.

Die Sonne geht unter.
Für einen letzten Moment warmes Licht.
Fledermäuse jagen mit tödlicher Präzision im Zickzack über den Himmel.
Grillen werben noch hastig um einen Partner.
Kreischend verteidigen Affen ihren Schlaf-Ast.
Vor der Tür hupen letzte Sammeltaxis ihre Fahrgäste herbei.

Unruhig die Herzen und dunkel die Nacht.

Zwei Jünger auf dem Weg heraus aus der Stadt,
weg aus Jerusalem.
Jesus ermordet.
Sie haben Angst.
Vor ihnen über dem Meer geht die Sonne unter.
Noch kehrt am Ende des Tages
keine Ruhe, kein Frieden ein.
Aber sie bitten:

„Herr, bleibe bei uns.
Denn es will Abend werden
und der Tag hat sich geneiget.“

Lukas 24.29

Michael Diezun

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Bild: © Michael Diezun, Piano: © Karl-Georg Brumm.

 

Soviel Du brauchst

Dieses Lied habe ich zum ersten Mal auf dem Kirchentag in Hamburg 2013 gehört. Mich hat es als Mutter direkt berührt, denn das Wichtigste im Leben sind meine Kinder. Seit ihrer Geburt zählt für mich nur, dass sie behütet aufwachsen und leben können.
Jeder Tag, der verging, war für mich so, als wären wir von Gott geküsst und erhielten dies als besonderes Geschenk für unser Leben, auch wenn es manchmal nicht so ganz nach Plan verlief.

“Ich rutsche auf den Knien und flehe Gott an, dass Dir geschehen soll kein Schaden, Ja, ich bin förmlich “auf Knien gerutscht”und verspürte auch Dankbarkeit, dass sich meine Vorstellungen zum Leben meiner Kinder mit dem, was Gott uns beschert hat, deckten.

Die Erzählungen meiner Großmutter über Kriegszeiten und der Flucht aus Ostpreußen ins Rheinland ohne Schuhe mit einem Baby auf dem Arm, erschienen mir immer weit weg, denn uns ging es gut und so eine existentielle Bedrohung konnte uns auch nicht treffen.
Und nun?
Nun steht unser Leben seit fast zwei Wochen förmlich auf dem Kopf und ich spüre zum ersten Mal in meinem Leben, dass das Leben einfach nicht planbar ist.
Ich spüre diese Machtlosigkeit. Meine Tochter ist in der 10. Klasse und bereitet sich wie alle anderen Schüler, ohne Unterricht, ohne Lehrer auf die Abschlussprüfungen vor. Die Aussicht, dass sie vielleicht keine Abschlussfeier erleben wird, um diesen wichtigen Lebensabschnitt zu feiern und zu beenden, macht mich nachdenklich.
Ich höre dieses Lied und es bekommt, eine ganz neue Bedeutung für mich:

“Ich rutsche auf den Knien und flehe Gott an, dass Dir geschehen soll kein Schaden. Ich bet dafür so laut, so stark, so mutig, wie ich kann”

In einer Videokonferenz mit den neuen Presbytern hieß es: „Nichts wird nach Corona mehr so sein, wie es war!”
Die Gebete werden stärker, lauter und mutiger und ich weiß nur noch eins: Wenn uns einer helfen kann, dies alles zu überstehen, dann ist es Gott! Mein Vertrauen in ihn, möchte ich nicht verlieren - egal was kommt.

“Wir können alle nicht tiefer fallen, als in Gottes Hand”, da vertraue ich drauf. Auch, wenn sich unser Leben mit und nach Corona vollkommen neu ordnet.
Eins ist doch schon erreicht und sicherlich auch in Gottes Sinne Menschen helfen sich wieder gegenseitig. Wir schauen genauer hin, auf die, denen es nicht so gut geht und bieten unsere Hilfe an. Ich wünsche mir, dass das auch nach Corona so bleibt.

Presbyterin Melanie Meyer

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Im Moment isoliert sich das Leben immer mehr von sich selbst.
Wir erleben gerade einen Ausnahmezustand in unserem Leben.
Die Gefühle, die dabei hochkommen sind real.
Gefühle sind keine Einbildung, sie bestimmen unser Leben.
Diese Gefühle bestimmen auch, was wir aus dieser Situation machen.
Manchmal fühlt es sich so an, als würde alles zerbrechen.

Jesaja 54,10:

“Mögen auch Berge weichen und Hügel fallen, meine Gnade weicht nicht von Dir!”

Wie oft habe ich diesen Vers schon gelesen oder gehört.
Obwohl ich schon einige Umbrüche in meinem Leben erlebt habe,
ist das, was gerade passiert, unvorstellbar für mich.
Und doch spüre ich in mir dieses Vertrauen, dass Gott uns auch in dieser Situation nicht verlässt.
Gott weiß darum, dass die höchsten Berge zerfallen,
Hügel zerreißen und flaches Land daraus werden kann.

Es kann alles zu Bruch gehen, auch unsere Welt und er weiß das.
Und immer gibt uns Gott sein Versprechen, dass seine Gnade für uns sichtbar ist.
In dieser Gewissheiit fällt es uns leichter, diese Tage zu bewältigen.
Wir wissen nicht, was. in den nächsten Wochen passieren wird, doch eins ist sicher:
Gott bleibt mit seiner Gnade bei uns!

Presbyterin Melanie Meyer

 

Bild: © Michael Diezun

rad im getriebe der zeit
funktionieren
eingespannt sein im räderwerk
getrieben

ich
im rad
eingespannt
ausgespannt
in spannung
mein tägliches brot

da
das kreuz ausgestreckt nach mir
sucht mich
berührt
verbindet mich mit allem
ich bin
nicht
allein.

gerlinde hiller

Im Mittelpunkt der Passionszeit steht der Weg Jesu, sein Weg ans Kreuz, sein Weg durch das Leiden. Das Kreuz ist das zentrale Symbol der Christenheit.

Unsre Zeit ist zur Ausnahmezeit geworden. Wir begegnen inmitten von Anspannung, Chaos, Sorge und Angst den Karfreitagsdimensionen des Lebens. Jede und jeder dabei auf seine persönliche Weise. Und doch sind wir nicht allein. Das Kreuz durchkreuzt genau diese Erfahrungen, „sucht mich, berührt, verbindet mich mit allem“. So sind wir eingeladen, im Glauben gemeinsam unterwegs zu bleiben. Gottes Geist kennt keine räumlichen Beschränkungen oder Einschränkungen, ER will uns einen in seiner Kraft. Nehmen wir das mit in diese Zeit, lassen wir uns stärken und bleiben wir füreinander stark.

Pfarrerin Monika Ruge

Baum Allein für die Gemeinschaft Stefan Biegemeier

Allein - für die Gemeinschaft

Allein auf dem Weg für alle Stefan Biegemeier

Allein - auf dem Weg für alle

Presbyter Stefan Biegemeier

Gebet

Ewiger Gott,

so viel Unruhe in dieser Zeit,

auf einmal ist alles anders.

Vertraute Abläufe sind unterbrochen,

Menschen sind in Angst um ihre Gesundheit

oder ihr Auskommen.

Wir erleben hautnah:

Unser Leben ist nicht planbar

und nicht beherrschbar,

auch wenn wir uns so gern für die „Macher“ halten.

So halten wir inne,

am Abend dieses Tages.

Loten unsere Zeit neu aus.

Du Gott, bist da und bleibst uns nah.

Sende Dein Licht, dass wir uns

neu orientieren.

Stärke alle, die jetzt im Einsatz sind

in den Kliniken und Altenheimen,

in den Apotheken und an den Supermarktkassen.

Lass uns zu einem neuen Miteinander finden.

Lege Deinen Segen auf uns und auf die,

die voller Unruhe sind vor dem, was kommt.

So segne und behüte uns

und schenke uns Deinen Frieden.

Amen

 

Pfarrerin Monika Ruge

Kirchen