Wieder der Text der Passionsandacht beim Klicken auf "Weiterlesen" oder zum herunterladen hier Passionsandacht Mittwoch.
 

Vorspiel

558    Nun ziehen wir die Straße

1. Nun ziehen wir die Straße,
die unser Herr gegangen,
verraten und gefangen,
verraten und gefangen.

2. Wir hatten uns verloren,
doch er hat uns gefunden.
und an sein Kreuz gebunden,
und an sein Kreuz gebunden.

„Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“

           „Amen!“

„Unser Anfang und unsere Hilfe steht im Namen des Herrn“

           „der Himmel und Erde gemacht hat!“

„Der Herr sei mit euch!“

           „Und mit deinem Geist!“

Psalm 38 gekürzt

Herr, strafe mich nicht in deinem Zorn
und züchtige mich nicht in deinem Grimm!

Denn deine Pfeile stecken in mir,
und deine Hand drückt mich.

Es ist nichts Gesundes an meinem Leibe wegen deines Drohens
und ist nichts Heiles an meinen Gebeinen wegen meiner Sünde.

Denn meine Sünden gehen über mein Haupt;
wie eine schwere Last sind sie mir zu schwer geworden.

Meine Wunden stinken und eitern
wegen meiner Torheit.

Ich gehe krumm und sehr gebückt;
den ganzen Tag gehe ich traurig einher.

Denn meine Lenden sind ganz verdorrt;
es ist nichts Gesundes an meinem Leibe.

Ich bin matt geworden und ganz zerschlagen;
ich schreie vor Unruhe meines Herzens.

Herr, du kennst all mein Begehren,
und mein Seufzen ist dir nicht verborgen.

Mein Herz erbebt, meine Kraft hat mich verlassen,
und das Licht meiner Augen ist dahin. …

Verlass mich nicht, Herr,
mein Gott, sei nicht ferne von mir!

Eile, mir beizustehen,
Herr, meine Hilfe!

„Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen."

Gebet

Du kennst mein Begehren, Gott,
das heißt du weißt,
dass ich endlich wieder raus will,
in die Eisdiele, zum Italiener, gemeinsam Sport machen;
mit Freunden feiern und den Wein genießen
bis der Morgen kommt.

Gott, du weißt,
es geht jetzt nicht.
Schenke uns Geduld.
Lass uns Pläne schmieden für die Zeit danach.
Fülle unsere Zeit mit deinem Wort,
jetzt.
Dass wir dich hören
und für einen Moment vergessen,
was wir begehren.
Für einen Moment in den Frieden einkehren,
den du uns schenkst.

Amen

178.9 Kyrie eleison, Kyrie eleison, Kyrie eleison

Jesaja 42.1-9

1 Seht meinen Diener, ich halte ihn, meinen Erwählten,
 an ihm habe ich Gefallen.
Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt,
das Recht trägt er hinaus zu den Nationen.
2 Er schreit nicht und wird nicht laut
und lässt seine Stimme nicht hören auf der Gasse.
3 Das geknickte Rohr zerbricht er nicht,
und den verglimmenden Docht löscht er nicht aus,
treu trägt er das Recht hinaus.
4 Er erlischt nicht und wird nicht geknickt,
bis er das Recht in Kraft gesetzt hat auf der Erde;
auf seine Weisung warten die Inseln.

5 So spricht der Gott, der HERR,
der den Himmel geschaffen hat und ihn ausspannt,
der die Erde ausbreitet und was auf ihr wächst,
der den Menschen auf ihr Atem gibt
und Odem denen, die auf ihr gehen:

6 In Gerechtigkeit habe ich, der HERR, dich gerufen,
und ich ergreife deine Hand, und ich behüte dich
und mache dich zum Zeichen des Bundes mit dem Volk,
zum Licht der Nationen, 7 um blinde Augen zu öffnen,
um Gefangene hinauszuführen aus dem Gefängnis
und aus dem Kerker, die in der Finsternis sitzen.

8 Ich bin der HERR, das ist mein Name,
und keinem anderen werde ich meine Ehre geben
und meinen Ruhm nicht den Bildern.
9 Das Frühere - sieh, es ist eingetroffen,
und das Neue - ich tue es kund.
Noch ehe es sprosst, lasse ich es euch hören.

181.6 Laudate omnes gentes, laudate dominum. Laudate omnes gentes, laudate dominum.

Markus 14.43-52

43 Noch während Jesus redete, kam Judas, einer der Zwölf, mit einer Schar von Männern, die mit Schwertern und Knüppeln bewaffnet waren. Sie waren von den führenden Priestern, den Schriftgelehrten und den Ältesten geschickt worden. 44 Der Verräter hatte mit seinen Begleitern ein Zeichen vereinbart: »Der, den ich mit einem Kuss begrüßen werde, der ist es. Den müsst ihr festnehmen und abführen; sorgt dafür, dass er nicht entkommen kann!«

45 ´In Getsemane` angelangt, ging Judas sofort auf Jesus zu. »Rabbi!«, sagte er und gab ihm einen Kuss. 46 Da packten die Männer Jesus und nahmen ihn fest. 47 Doch einer von denen, die bei Jesus standen, zog sein Schwert, ging damit auf den Diener des Hohenpriesters los und schlug ihm ein Ohr ab.

48 Jesus aber sagte zu den Männern: »Mit Schwertern und Knüppeln seid ihr ausgezogen, um mich gefangen zu nehmen, als wäre ich ein Verbrecher.  49 Dabei war ich doch Tag für Tag bei euch im Tempel und lehrte, und ihr habt mich nicht festgenommen. Aber was in der Schrift vorausgesagt ist, muss sich erfüllen.«

50 Da ließen ihn alle im Stich und flohen. 51 Ein junger Mann allerdings folgte Jesus; er trug nur einen leinenen Umhang auf dem bloßen Leib. Doch als man ihn festnehmen wollte, 52 ließ er den Umhang fahren und rannte nackt davon.

Laudate omnes gentes

Markus 14.53-72

53 Jesus wurde zum Hohenpriester gebracht, wo auch alle führenden Priester und alle Ältesten und Schriftgelehrten zusammenkamen. 54 Petrus folgte Jesus in einiger Entfernung bis in den Innenhof des hohepriesterlichen Palastes. Dort setzte er sich zu den Dienern und wärmte sich am Feuer.

55 Die führenden Priester und der gesamte Hohe Rat suchten nun nach einer Zeugenaussage gegen Jesus, die es rechtfertigen würde, ihn zum Tod zu verurteilen; doch sie konnten nichts finden. 56 Viele brachten zwar falsche Anschuldigungen gegen ihn vor, aber ihre Aussagen stimmten nicht überein. 57 Einige falsche Zeugen, die gegen ihn auftraten, behaupteten:
58 »Wir haben ihn sagen hören: ›Ich werde diesen Tempel, der von Menschenhand erbaut wurde, niederreißen und in drei Tagen einen anderen errichten, der nicht von Menschenhand erbaut ist.‹«
59 Doch auch in diesem Fall stimmten die Aussagen der Zeugen nicht überein.

60 Da erhob sich der Hohepriester, trat in die Mitte und fragte Jesus: »Hast du darauf nichts zu sagen? ´Wie stellst du dich zu dem,` was diese Leute gegen dich vorbringen?«
61 Aber Jesus schwieg und gab keine Antwort. Der Hohepriester wandte sich noch einmal an ihn und fragte: »Bist du der Messias, der Sohn des Hochgelobten?« -
62 »Ich bin es«, erwiderte Jesus, »und ihr werdet den Menschensohn an der rechten Seite des Allmächtigen sitzen und auf den Wolken des Himmels kommen sehen.«

63 Da zerriss der Hohepriester ´vor Empörung` sein Gewand und rief: »Wozu brauchen wir noch Zeugen? 64 Ihr habt die Gotteslästerung gehört. Was ist eure Meinung?« Alle erklärten, er sei schuldig und müsse sterben.

65 Einige begannen, Jesus anzuspucken; sie verhüllten ihm das Gesicht, schlugen ihn mit Fäusten und sagten: »Du bist doch ein Prophet! Sag uns, wer es war!« Auch die Diener ´des Hohen Rates` schlugen ihn.

Laudate omnes gentes

Andacht

„… und gab keine Antwort“

„Keine Antwort“? – Mich regt dieser Prozess auf. Und ich würde aus der Haut fahren. So einen theologischen Blödsinn erzählen die führenden Priester und der Hohe Rat.

Ich würde anfangen zu argumentieren:

Einen Tempel errichten, der nicht von Menschenhand gebaut ist. – Das ist doch der Traum eine jeden Juden, eines jeder Jüdin von dem Moment an, als die Idee in König David entstand, einen Tempel zu bauen.

Nicht einen Tempel aus Stein.
Nicht Gott in ein festes Haus zwingen.
Steine, Holzbalken, Gold – das ist doch nicht das, was unseren Gott an die Erde bindet.
Gott ist hier bei uns, mitten unter uns,

weil er in unseren Herzen und in unserem Verstand sein will.

Gott, der Herr, der Heilige Israel, baut sich aus den Herzen der Menschen DEN Tempel, den einzigen Tempel, den Gott wirklich braucht.

Oder die andere Frage: Bist du der Messias? Es gab so viele Menschen, die damals von sich gesagt haben, sie wären mit dem Geist Gottes gesalbt – wären Gesalbte – und haben sich deshalb auf Hebräisch Messias genannt. Bald an jeder Straßenecke stand jemand auf einem Hocker und hat erzählt, dass er der Messias ist!

Ich würde mich aufregen, ob solch dummer, blöder und völlig ungerechtfertigter Vorwürfe: Gotteslästerungen sind das nicht, was Jesu Gegner vorbringen.

Die wollen Jesus töten. Unter allen Umständen. Die Priester am Tempel, die Aristokratie, deren wirtschaftlicher Mittelpunkt der Tempel ist. Und dann werden wir noch hören, dass auch die Menschen auf der Straße, davon überzeugt sind, dass Jesus ihr Feind ist.

Und Jesus antwortet nicht.

Kein Wort.

Weil es keinen Sinn macht?

Weil er keine Hoffnung mehr hat, jemanden von seiner Botschaft zu überzeugen?

Es ist vorbei. Das Reden, das Überzeugen, das Herausfordern, auch die Freundschaften.

Es ist vorbei. Jesus wird sterben.

Jetzt zählt nur noch: der Tod. -
Und:
Die Frage ist, ob Gott sich das gefallen lässt:

Ob Gott das hinnimmt, dass sein Sohn, aus dieser Welt herausgekreuzigt wird.
Ob Menschen darüber entscheiden können, über Gottes Erfolg, seinen Plan!
Wird Gott diese Entscheidung, diese Gewalt der Menschen akzeptieren?

Diese Frage stellen, heißt auf Ostern hoffen!

558

3. Wir ziehen seine Straße,
er trägt das Kreuz uns allen,
für uns ist er gefallen,
für uns ist er gefallen.

4. Für uns hat er gelitten,
für uns ist er erstanden
aus Jammer, Tod und Schanden,
aus Jammer, Tod und Schanden.

5. O Kyrie eleison,
wir singen deinem Namen,
das Hosianna. Amen,
das Hosianna. Amen.

Fürbitte – Vater Unser

Gott,
die Särge.
Die lange Liste der Namen.
Sie sterben.
„Es sind doch deine Kinder.“[1]

Heiliger Gott,
lasse sie in ihrem letzten wachen Moment nicht allein.
Schau in ihre Augen,
berühre ihr Herz und bette sie in deine Liebe.

!Herr, erbarme dich über sie!

Die Ärzte,
die Schwestern und Pfleger,
die Erzieherinnen,
die sich anstecken,
weil sie heilen und helfen wollen – ja, müssen.

Tröste sie in ihre Schlaflosigkeit,
bändige die Angst, die sie aufwühlt,
wenn sie für sich selbst erwarten,
so zu sterben wie die,
die sie heilen wollen.

!Herr, erbarme dich über sie!

Alles, was wir dir sonst noch sagen müssen, sagen wir dir in der Stille.

Vater Unser im Himmel, …

Segen

Nachspiel

Bibelübersetzungen der Zürcher Bibel für das Alte Testament und der Neuen Genfer für das Neue Testament
An der Orgel Elvira Derevnin

 

[1] Wolfgang Borchert, Draußen vor der Tür, 1947.

Kirchen